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Seite 2 von 2 Einleitend skizzierte Dr.
Timmel die, über die Seebäder und Bademedizin lange begründete, Tradition
Mecklenburg Vorpommerns als Gesundheitsstandort. Dem folgend setzt das Land nun
auf traditionelle europäische und natürliche Anwendungen wie Moor- oder Sole-
Bäder. Kein Preiswettbewerb, sondern hohe Qualitätsstandards stehen hier im Mittepunkt
sämtlicher Aktivitäten. Die Projektfinanzierung erfolgt etwa hälftig über
Landesmittel. Es werden medizinische Projekte durchgeführt, der Tourismus
ausgebaut und Universitätswissen in die einzelnen Bereiche getragen. Ergänzend
stehen die Ernährungswirtschaft und Spitzenhotels zur Seite, um insbesondere für
die Rehabilitation einen fließenden Übergang zum Wellness- Bereich zu ermöglichen.
Selbstzahler als Zielgruppe versucht man beispielsweise über eine
Landesimagekampagne zu gewinnen. Zukünftig maßgebend werden eine gute
Versorgungsinfrastruktur, die Schwerpunktsetzung in der modernen Medizin, die Bio-
Medizin und der Kompetenzzentrenausbau der Spitzenmedizin in Mecklenburg
Vorpommern sein.
Von
Hause aus Soziologe betitelt Uwe Borchers, Stellvertretender
Geschäftsführer des Zentrums für Innovation und Gesundheitswirtschaft (ZIG) Ostwestfahlen
Lippe, seinen Vortrag mit Stärkung der Gesundheitswirtschaft durch
Netzwerkkooperation und Clustermanagement – Erfahrungen und Perspektiven.
Netzwerkbildung und Kooperation erweisen sich in Ostwestfalen Lippe als besonders
bedeutsam, da man sich hier mit ausgeprägten regionalen Identitäten auseinandersetzen
muss. Eine Tradition in der Behandlung chronisch kranker Menschen kennzeichnet den
Raum. Des Weiteren sind auch hier Naherholung und Wellness fest verankert. Allianzen
zwischen Kliniken und gastronomischen Einrichtungen schaffen ein als Medical
Wellness bezeichnetes Qualitätsmerkmal, bei dem Prävention einen wesentlichen
Part ausmacht. Branchenübergreifende Zusammenarbeit gilt dabei genauso als
Mittel zur Innovationsfindung wie Universitäten über Unternehmensausgründungen
zur Vitalität der Region beitragen. Krankenhäuser, Wirtschaft (primär
Medizintechnik) und Wissenschaft stützen die Gesundheitswirtschaft vor Ort. Die
ZIG übernimmt dabei das Prozessmanagement in der Partnerschaft zwischen
Anwendern und Herstellern. So stand sie beispielsweise Pate bei der Entwicklung
eines neuartigen Krankenhausbettes. Extern wird die ZIG als Testfeld für Ideen
wahrgenommen und ermöglicht die enge Zusammenarbeit der verschiedensten
Akteure, da sie eine neutrale Plattform in einem Raum bietet, in dem
unterschiedlichste politische und ökonomische Interessen ausgelebt werden
wollen. Das ausschließlich privat finanzierte Netzwerk kann so, seit seiner
Gründung 1999, wesentlich zur Vertrauensbildung der wettbewerblich
verflochtenen Partner und damit zur Optimierung der Geschäftsverbindungen
insgesamt beitragen.
Eine
weitere Perspektive lieferte Katja Makowka als Geographin der Universität Duisburg-
Essen. Sie stellte Grundzüge ihrer Dissertation zum Thema Die
Seniorenwirtschaft in der Emscher- Lippe Region – Potentiale zur regionalen
Entwicklung zur Diskussion. Die Seniorenwirtschaft richtet sich als
Querschnittsbereich der Gesundheitswirtschaft auf die Gruppe der über
50-jährigen. Die Gruppe dieser älteren Menschen wächst, während die Wirtschaft
auf ein jüngeres Kundenpotential ausgerichtet ist. Die Abkehr vom Bergbau
impliziert darüber hinaus Vakanzen, die gefüllt werden wollen. Branchen wie
Chemie und Energie, die bislang diese Aufgabe hauptsächlich übernehmen, führen
nicht zu hinreichenden Beschäftigungszunahmen, so dass aus der Summe dieser
Elemente Potential für die Seniorenwirtschaft abgeleitet wird. Innerhalb
Nordrhein- Westfalens und des Ruhrgebietes zeichnen sich im Emscher- Lippe-
Raum solche Strukturmerkmale intensiver ab als anderen Ortes. Die Region weist ferner
ausgeprägte Konsumfreudigkeit und das höchste Regionaleinkommen innerhalb des
Ruhrgebietes auf. Selektive Information auf Angebots- und Nachfrageseite sowie
eine auffällige Subventions- und Klagementalität zeigen sich analysebedingt hier
jedoch als Hemmnis für den Aufbau der Seniorenwirtschaft. Frau Makowka
empfiehlt deshalb kontinuierliche Evaluationen, eine zentrale Koordinierungsstelle
und Öffentlichkeitsarbeit, um grundsätzlichen Erfolg versprechende Ansätze
weiter auszubauen.
Über
Gesundheit und Kirche informiert Frau Elsbeth Kosthorst vom Caritasverband
des Bistums Essen. Den mehrheitlich ökonomisch pointierten Ausführungen ihrer
Vorredner setzte Frau Kosthorst konträre Ausführungen entgegen. Sie stellt
christlichen Leitgedanken entsprechend den Mensch in den Mittelpunkt der
Gesundheitswirtschaft. Zahlreiche Relevanzfaktoren wie Gesetzesvorgaben oder Kostensteigerungen
und Ausbildungsinhalte der Pflegekräfte durchleuchtet die Referentin
hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Arbeit der Caritas. Als Kontroverse
erweist sich stets auf Neue für die Caritas, eine Minderauslastung der
stationären Einrichtungen bei gleichzeitiger Befürwortung der heimischen Pflege.
Letztendlich führt dies für den Verband zu sinkenden Einnahmen und damit zu
finanziellen Problemlagen. Besondere Sorge gilt seitens der Caritas Personen,
die aus der Sozialgemeinschaft ausgeschlossen werden und der Frage, ob alles
was im Gesundheitsbereich technisch möglich gemacht werden kann, auch für den
Patienten wünschenswert ist. Dem Spannungsfeld zwischen Ethik und Wirtschaft
wird so zum Abschluss ebenfalls Beachtung geschenkt.
Trotz
des zunehmend warmen Wetters folgte eine angeregte Diskussion der breit
gefächerten Thematik. An dieser Stelle wird nur ein Schwerpunkt wiedergeben. Als
hochgradig brisant erwies sich der Aspekt der faktischen Abhängigkeit großer
Teile der Gesundheitswirtschaft insbesondere der stationären Pflege von
politischen Entscheidungen. Eindeutige Parallelen zur Zentralverwaltungswirtschaft
werden festgestellt. Gleichzeitig wollen und sollen die Akteure jedoch dem
Marktmechanismus entsprechend agieren und ökonomisch rationale Entscheidungen
treffen, so dass ein strukturelles Dilemma aufgedeckt wird. Teilnehmer und
Referenten konstatieren dem folgend eine deutliche Überregulierung des
Gesundheitsmarktes. Um das Paradoxon zu lösen, sind langfristige Gesetzesänderungen
unerlässlich. Im Ergebnis ist man sich deshalb einig, dass zwischenzeitlich kreative
neue Wege gefunden werden müssen, um die Gesundheitswirtschaft zu optimieren –
wie die einzelnen Referate zeigen, eine Aufgabe der man sich, von unterschiedlichen
Ausgangspunkten startend, bereits angenommen hat.
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