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Frage: Was unterscheidet die Gesundheitswirtschaft vom Gesundheitswesen?
Daniel Bahr: Die Gesundheitswirtschaft ist ein ganz wesentlicher Teil unseres Gesundheitswesens. 11 % des Bruttoinlandsproduktes werden für die Gesundheit ausgegeben. Im Jahr 2001 betrugen die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit 2.740 €. 1992 lagen sie noch bei 2.020 €. 4,1 Mio. Personen waren am 31. Dezember 2001 im Gesundheitswesen tätig. Das ist etwa jeder 10. Erwerbstätige. Die Gesundheitswirtschaft ist unzweifelhaft ein Wachstumsmarkt.
Problematisch wird diese Entwicklung dadurch, dass ein großer Teil der Ausgaben über Zwangsbeiträge finanziert wird und über den Arbeitgeberbeitrag die Lohnzusatzkosten belastet. Grundsätzlich ist es jedoch zu begrüßen, dass zumindest der Gesundheitsbereich trotz der Wachstumsschwäche und der konjunkturellen Einbrüche nach wie vor wächst. Es wird eine der wichtigsten Aufgaben sein, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung so zu organisieren, dass der Nutzen eines Wachstumsmarktes Gesundheit die Nachteile übersteigt.

Kurzum: Es wird darauf ankommen, die Krankenversicherungsbeträge von den Lohnkosten zu lösen und gleichzeitig den Bürgern wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten für ihren Versicherungsschutz zu ermöglichen. Auf diese Weise können die Bürger selbst gemäß ihrer Wünsche darüber entscheiden, wie viel Geld sie für ihre gesundheitliche Versorgung ausgeben wollen. Für einen Kernkatalog von Leistungen muss es selbstverständlich eine Pflicht zur Versicherung geben, damit niemand später der Sozialhilfe zur Last fällt.
Frage: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Trends in der Gesundheitswirtschaft?
Daniel Bahr: Der medizinische Fortschritt wird sich weiter entwickeln. Im Bereich der Arzneimittel werden wir auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Medikamente bekommen. Die Gen- und Biotechnologie werden heute noch ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Die Medizintechnik wird zu Veränderungen bei Diagnose und Therapie führen.
Frage: Wie kann ein Gesundheitsdiensleister vom Wandel profitieren?
Daniel Bahr: Gesundheitsdienstleister werden stärker noch als bisher den Nutzen ihrer Produkte und ihrer Neuentwicklungen darlegen müssen. Wenn die Patienten stärker als bisher selbst darüber entscheiden, ob sie bestimmte medizinische Dienstleistungen haben wollen bzw. krankenversicherungsrechtlich absichern wollen, dann brauchen sie transparente und verlässliche Informationen darüber, welcher Vorteil für sie hiermit verbunden ist.
Frage: Welchen Rat geben Sie einem Arzt und welchen einem
Krankenhausmanager?
Daniel Bahr: Ärzte sollten sich zunächst um eine gute Ausbildung und im Anschluss daran um kontinuierliche Qualifizierungen bemühen. Sie haben eine großen Vorteil, wenn sie die Patienten als Ganzes betrachten, genügend Zeit für sie aufwenden und bereit sind zum Erfahrungsaustausch mit ihren Kollegen. Ärzte müssen nach Kooperationsformen suchen, die auf ihr Fach und ihre persönliche Situation zugeschnitten sind. Dafür müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Ebenso muss der Gesetzgeber für Transparenz und den Abbau der Bürokratie sorgen, damit sich Ärzte wieder ihren Patienten ganz widmen können.
Auf die Krankenhausmanager kommt in den nächsten Jahren eine große Verantwortung zu. Der Umstieg auf ein weitgehend alle Bereiche umfassendes Fallpauschalensystem macht Umstrukturierungen notwendig. Auch hier muss nach Kooperationsformen gesucht werden. Alle Möglichkeiten zu nicht qualitätsverschlechternden Einsparungen müssen konsequent genutzt werden. Die Vor- und Nachteile des eigenen Hauses müssen analysiert werden mit dem Ziel, das eigene Krankenhaus mit einer guten Leistungspalette zu plazieren. Die Verzahnung mit anderen Versorgungsbereichen wird deutlich an Bedeutung zunehmen. Und bei alldem darf die Qualität der Krankenhausversorgung nicht leiden.
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