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Dr. Norbert TerglaneAktuelle Herausforderungen an die IT-Unterstützung im Gesundheitswesen
Das Umfeld in der Sozialversicherung unterliegt einem ständigen Wandel und ist häufig getrieben durch sozialpolitische Veränderungen, wie die Gesundheitsreform, die Reform der Pflegeversicherung und die Diskussionen um den Gesundheitsfond im Anschluss an die Bundestagswahl eindrucksvoll zeigen.

Unternehmen stehen nun vor der Herausforderung auf mögliche Veränderungen vorbereitet zu sein und so die eigene Handlungsfähigkeit sicherzustellen. IT-Entwicklungen und die Leistung der internen IT-Organisation sind entsprechend fortlaufend dahingehend zu hinterfragen, welchen konkreten Mehrwert sie liefern.

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Besondere IT-Anforderungen werden durch das Zusammenspiel der Sektoren in der Gesundheitsversorgung gestellt. Die integrierte Nutzung von Daten & Informationen der Leistungserbringer (z.B. Ärzten und Kliniken) mit denen der Leistungsträger, z.B. zur proaktiven Patientensteuerung (Stichwort: „Predictive Modeling“), stellt nach Excientes-Erfahrung eine der wesentlichen Herausforderung dar.


 

Bei der Knappschaft-Bahn-See ist genau dies eine der wesentlichen Anforderungen. Die KBS ist ein umfassen- der Sozialversicherungsträger, dessen Verbund neben einer gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung mit ca. 1,4 Mio. Versicherten auch eine Rentenversicherung mit ca. 1,6 Mio. Rentnern zählt. Weitere Bestandteile sind u.a. ein medizinisches Netz mit Reha- und Akut-Kliniken sowie niedergelassene Knappschafts-Ärzte.

In der KBS gibt es daher eine Vielzahl von geschäftsfeldübergreifenden Veränderungen und die Leistungsbereiche hinterfragen stets den konkreten Nutzen der IT, bspw. hinsichtlich der IT-Unterstützung von Gesundheitsnetzwerken oder der Integrierten Versorgung, so dass das Zusammenspiel mit der IT laufend optimiert werden muss.

In dieser Serie lesen Sie:

  • Welche Implikationen resultieren aus den aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen für die IT?

  • Wie lassen sich diese Anforderungen systematisch strukturieren?

  • Wie können Sie mittels IT-Unterstützung entscheidende Effizienzsteigerungen erzielen?

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  • Wie müssen Sie die interne IT-Abteilung schlagkräftig aufstellen?

  • Wie können Services zur Kundenbindung und Leistungs- und Prozessoptimierung konkret ausgestaltet werden?

  • Wie schaffen Sie eine nachhaltige Ergebnisverbesserung durch die Verhaltensveränderung aller Akteure?


 

Effizienzsteigerung durch IT

Ein Beispiel für eine schlagkräftige IT-Unterstützung zeigt sich im Rahmen der Einführung der Diagnosis-Related-Groups (DRGs). Hierdurch steigerte sich die Komplexität in der Leistungsverrechnung mit den Krankenhäusern enorm, es wurden daher umfangreiche Rechnungsprüfungen erforderlich.

Erst durch IT-gestützte Rechnungsprüfungen konnten formale Fehler – bspw. Rechnungen für Patienten die keine Versicherten sind – ausgeschaltet werden. Zudem zeigte sich, dass bereits geringe Unterschiede in der Fallgestaltung (z.B. die Wahl der Hauptdiagnose) durch die Klinik erhebliche Erlössteigerungen verursachten. Um einer entsprechenden Optimierung entgegenzuwirken, hat die KBS fachliche Prüfungen eingeführt – z.B. Checks, ob auch die vereinbarten Preise abgerechnet wurden – teilweise werden sogar medizinische Sachverhalte hinterfragt, z.B. ob Diagnose und Medikation zusammenpassen. Diese gesamten Prüfungen sind nur mittels leistungsfähiger IT-Unterstützung effizient möglich.

Als diese Anforderung gestellt wurde, wurde zunächst der Softwaremarkt analysiert, doch keine überzeugenden Produkte gefunden. Im Rahmen der Entwicklung mussten dann zunächst die fachlichen Anforderungen konkret beschrieben werden. Bei einer solchen Software sind bspw. verschiedenste hochkomplexe fachliche Entscheidungsprozesse abzubilden. Hierzu ist es erforderlich, dass auf Fach- und IT-Seite ausreichende Kenntnisse der jeweils „anderen Welt“ vorhanden sind. „Durch die Etablierung entspre-chender Strukturen in der Linienorganisation (sog. IT-Verbindungsstellen) sind die Mitarbeiter der KBS gewohnt interdisziplinär zu arbeiten, so dass solche Projekte mit ihren besonderen Herausforderungen deutlich routinierter gemeistert werden können“, schildert Hr. Karnitzki, Leiter der Abteilung Organisation/Statistik, Datenverarbeitung, Bauen, Logistik der Knappschaft-Bahn-See.


 

Ausrichtung der IT-Abteilung an der Unternehmensstrategie

Das sich die IT-Abteilung stets an der Unternehmensstrategie und den internen Kunden ausrichten muss, ist nichts Neues. Doch nach Excientes-Erfahrung hapert es oft gerade an grundlegenden Erfolgsfaktoren. Es existiert häufig keine gemeinsame Sprach- und Begriffswelt, und somit auch kein einheitliches Verständnis über die Rolle der IT im Unternehmen.

Der klassische Fokus der IT lag auch im Gesundheitswesen auf der Automatisierung von Massenprozessen in der Sachbearbeitung, z.B. der Abrechnung von Leistungen. Die Anforderungen an die IT-Abteilungen sind mittlerweile um ein vielfaches komplexer und auch vielschichtiger geworden. Um eine Neuausrichtung an der Unternehmensstrategie zielgerichtet aufsetzen zu können, ist zunächst eine Unterscheidung zwischen Effektivität und Effizienz im sowie durch das IT Business zweckmäßig.

 

Effektivität durch die IT 
Effizienz durch die IT
  • Konzeption und Aufbau von Verträgen zur Integrierten Versorgung durch eine Analyse der Versicherten- bzw. Morbiditätsstruktur

  • Zielgerichtete Ansprache (potentiell) wechselwilliger Versicherter & Darstellung von maßgeschneiderten Angeboten durch eine IT-gestützte Kundenanalyse

  • Optimierung der Interaktionsprozessen in der Kundenbetreuung (z.B. im Rahmen von Kundenanfragen oder beim Abschluss von Zusatzversicherungen)
  • Automatisierung von Arbeitsabläufen bspw. bei der Bearbeitung und Verteilung von Eingangspost
Effektivität in der IT
Effizienz in der IT
  • Optimierung der Wertschöpfungstiefe durch gezieltes Outsourcing & Fokussierung auf Kernkompetenzen
  • Anbieten der richtigen Produkte & Dienstleistungen, bspw. durch die Gestaltung von Abstimmungsprozessen zur Hinterfragung des angebotenen Portfolios
  • Automatisierung und Unterstützung der IT-Prozesse, bspw. im Störungs- oder Auftragsmanagement
  • Professionalisierung der eigenen IT-Organisation durch die Etablierung und zielgerichtete Nutzung von Standards


 

Aus der Hinterfragung und Bewertung des aktuellen Mehrwertes der IT-Abteilung können so Optimierungsprojekte mit den internen Kunden gestartet werden. Hierbei ist eine klare Zielformulierung und stringente Fokussierung (i.S.v. Effektivität oder Effizienz im oder durch die IT) erforderlich, da sich hieran z.B. auch das erforderliche Know-how der Projektbeteiligten ausrichten müssen. Für die IT-Unterstützung bei der Konzeption und Ausgestaltung von integrierten Versorgungsmodellen ist nach Excientes-Erfahrung nicht nur anderes Fachwissen erforderlich als bei der Rationalisierung von Verwaltungsabläufen, hierbei ist auch eine andere „Denke“ erforderlich.

Verhaltensveränderungen als Mittel zur nachhaltigen Ergebnisverbesserung

Um den steigenden Arzneimittelausgaben zu begegnen, wurde bei der KBS  ein Arzneimittelmanagement entwickelt, das alle Akteure der Arzneimittelversorgung einbindet. Ziel ist es, Versicherte, Ärzte, Apotheken und die Pharmaindustrie zur Erschließung von Wirtschaftlichkeitspotenzialen zu bewegen. Die IT spielt hierbei eine wegweisende Rolle, durch IT-gestützte Auswertungen wird ein solches Vorgehen überhaupt erst möglich.

Im Fokus der Auswertung steht, ob Ärzte statt Generika teure Originalpräparate verordnen oder ob Apotheken Arzneimittel von Herstellern abgeben, mit denen die Knappschaft einen Rabattvertrag geschlossen hat. Nach dieser Analyse beginnt die eigentliche Arbeit: Ärzte & Apotheker werden kontaktiert und anhand von Modellrechnungen auf die Einsparpotentiale aufmerksam gemacht, um eine Verhaltensveränderung anzustoßen. Unterstützend wird auch ein kostenloses Arzneimittel-Telefon bereitgestellt. Den Versicherten wird zudem aufgezeigt, wie sie Zuzahlungen sparen könnten, wenn sie beim Arzt aktiv z.B. nach zuzahlungsbefreiten Medikamenten fragen. Auch für die Versicherten gibt es eine kostenfreie Auskunft.

Der Beratungsansatz von Excientes ist darauf ausgerichtet die Kunden dazu anzuleiten, sich selbst und ihr Unternehmen zu bewegen. Die langfristige Verhaltensveränderung ist das Ziel, auf das gemeinsam mit den Kunden hingearbeitet wird. Hierbei werden Excientes-Berater in den Projekten je nach Sinnhaftigkeit als Fach- und Methoden-Experten, als Sparringspartner und Coach oder als Qualitätssicherer eingesetzt.

Zusammenfassung

  • Die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen erfordern umfangreiche Anpassungsprozesse bei internen IT-Abteilungen und IT-Dienstleistern.
  • Eine sorgfältige Systematisierung der verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von IT im Unternehmen ist zielführend, um die Ausrichtung der IT zu unterstützen.
  • Bei einer erfolgreichen Ausrichtung der IT an der Unternehmensstrategie kann die IT als schlagkräftiges Mittel eingesetzt werden, um neben internen Prozessoptimierungen als Motor für die Kundenbindung zu dienen.

Über Excientes
Excientes wurde von Herrn Dr. Norbert Terglane gegründet. Der Beratungsansatz ist darauf ausgerichtet, Veränderungen bei den Kunden anzustoßen und zielgerichtet zu unterstützen. Dies verdeutlicht auch der Name „Excientes“, dieser bedeutet „Die, die in Bewegung setzen“. Mehr über Excientes erfahren Sie unter www.excientes.de.

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